VITA
„…eine der klügsten, umsichtigsten und tatkräftigsten Künstlerinnen unseres Landes.“
— Jan Brachmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die preisgekrönte Pianistin Ragna Schirmer zählt zu den außergewöhnlichen Musikerpersönlichkeiten unserer Gegenwart. In ihren Interpretationen vereinen sich die Kunst der Nuance mit einer kompromisslosen Liebe zum Detail sowie einer großen Sensibilität für historische Bezüge.
Als Studentin erregte sie erstmals internationale Aufmerksamkeit, als sie nach dem Gewinn des Bachpreises beim renommierten Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig erneut ebendort antrat und den Preis als einzige Teilnehmerin in der Geschichte des Wettbewerbs zum zweiten Mal errang. Dieser Mut, das Ungewöhnliche zu wagen, wurde zum Leitmotiv ihrer Karriere.
Dieses spiegelt sich etwa in dem unermüdlichen Bestreben wider, Musik nicht nur darzubieten, sondern auch zu vermitteln und die gängigen Konzertformate beständig weiterzuentwickeln. Ihre sorgfältig kuratierten und moderierten Solo-Programme reichen weit über übliche Gesprächskonzerte hinaus. Sie führen dorthin, wo Musik auf Geschichte, Wahrnehmung und Haltung trifft.
In ihrem neuesten Projekt Den Himmel im Herzen etwa behandelt Ragna Schirmer Leben und Werk der blinden Komponistin und Mozart-Zeitgenossin Maria Theresia Paradis. Das Publikum hört ein Konzert bei teilweise stark gedämmtem Licht und erlebt so, wie sich Klangwahrnehmung verändert, wenn das Sehen in den Hintergrund rückt.
Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit von Ragna Schirmer liegt auf Lebenswerk und Wirkungskosmos der Clara Wieck-Schumann. Durch ihre Einspielungen Liebe in Variationen, Clara und Madame Schumann sowie Hunderten von moderierten Konzerten mit rekonstruierten Originalprogrammen, zum Teil an Originalspielorten und auf Originalinstrumenten, hat sie nicht nur die Werke dieser Komponistin und Pianistin neu erfahrbar gemacht, sondern zugleich deren Rolle in der Musikgeschichte nachhaltig gewürdigt. Für ihr Engagement erhielt Ragna Schirmer den Schumann-Preis der Stadt Zwickau.
In spartenübergreifenden Projekten wie VolkseigenTon über DDR-Lyrik zwischen Dissidenz und Anpassung oder in einer Marionetten-Adaption des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer verbindet Ragna Schirmer Musik mit Literatur sowie darstellender und bildender Kunst. Das gemeinsam mit dem Puppentheater Halle entwickelte Stück Konzert für eine taube Seele über das Leben Maurice Ravels wurde in über zehn Jahren 125 Mal aufgeführt. Das Ballett Clara am Opernhaus Zürich, in dem Ragna Schirmer den Part der Klaviersolistin innehat, geht 25/26 in die zweite Spielzeit. Mit dem Schlagzeuger Matthias Daneck entwirft sie im Duo PiaCussion Programme, in denen die rhythmische Dimension der Musik neu erlebbar wird: von Beethovens innovativen „Off-Beat“-Experimenten bis hin zu einer Klavier-Percussion-Version der Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky.
Ragna Schirmers Diskographie umfasst 19 CDs, 2 DVDs und 2 Vinyl-Einspielungen, die ihr facettenreiches künstlerisches Schaffen eindrucksvoll dokumentieren. Die Gesamtaufnahme der Klaviersuiten von Georg Friedrich Händel wurde mit dem ECHO Klassik sowie dem Händel-Preis der Stadt Halle ausgezeichnet.
Seit vielen Jahren arbeitet Ragna Schirmer intensiv als Pädagogin sowohl in der Hochbegabtenförderung als auch im Hochschulbereich. Über ihre Erfahrungen, Werte und Ansichten schreibt sie mehrmals im Jahr KlavierKolumnen.
Seit dem Herbstsemester 2025/2026 ist Ragna Schirmer Professorin für Klavier an der Zürcher Hochschule der Künste.
Letzte Aktualisierung: September 2025
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